Warum ich nicht "Japan-Fan" genannt werden will

Ich werde immer wieder "Japan-Fan" genannt. Das ist nett gemeint, aber eigentlich will ich das nicht. Ich glaube es ist Zeit für eine kleine semantische Exkursion.

Was verbindet man mit dem Wort "Fan"? Ich glaube, die meisten Leute denken erst einmal an Fußball. Was tun Fußballfans? Die meisten reden leider nur über den Sport, einige gehen zu den Spielen aber nur die wenigsten spielen regelmäßig selbst Fußball. Auch muss man kein Fußballfan sein um spielen zu können. Damit möchte ich die Fußballfans jetzt nicht schlecht machen. Mit dem Ausdruck Fan verbindet man allerdings eher das Konsumieren von Spielen (und oft Bier) und der neuesten Nachrichten über den Lieblingsverein.

Bei Sprachen und Kultur finde ich den Ausdruck allerdings sehr unpassend. Oder würde jemand eine Bekannte bei der dritten Reise in die USA Amerika-Fan nennen? Mehrere meiner Freunde und Bekannten fahren regelmäßig ins Ausland um dort zu tauchen, trotzdem kenne ich niemand der sie als Tauch-Fans bezeichnet.

Ich glaube, der Hauptunterschied ist, dass jemand der etwas tut oder anwendet einfach nicht Fan genannt wird. So denke ich bei einem meiner Arbeitskollegen, dass er sowohl Fußballfan ist (er freut sich immer für seinen Verein) als auch Fußballer, denn er spielt auch in einem Verein. Das macht Sinn. Denn der Mann der immer wieder töpfert wird kaum Töpfer-Fan genannt werden und die zur Cousine mit dem Schwarzgurt sagt niemand (ungestraft) Karate-Fan.

Wir können also ableiten, dass ein Anwender mit einer Eigenschaft bezeichnet wird, die er ausübt.

So glaube ich auch, dass ich besser nicht als Japan-Fan bezeichnet werden sollte. Denn ich wende mein Wissen über Land und Kultur regelmäßig an. Ich spreche die Sprache und kann mich in ihr fließend unterhalten. Ich kenne genug kulturellen Hintergrund um im Land in keine Fettnäpfchen zu tappen. Beim letzten Aufenthalt in Japan bin ich gefragt worden, wo in Japan ich denn wohne. Die Leute nahmen an, ich wäre schon über 10 Jahre im Land. Mein schönstes Erlebnis war, als eine Verkäuferin erst beim Aufblicken merkte, dass ich kein Japaner bin. Da hatten wir bereits etliche Sätze gewechselt. So ein nettes Kompliment habe ich lange nicht bekommen.

Wenn ich das mit dem typischen Italienurlauber ("Fan", haha) vergleiche, dann frage ich mich, ob man dort in die gleiche Situation kommt.

Ich frage mich aber auch, was ich dann bin. Was ist das richtige Wort? Von der Sprache oder dem Land eine Eigenschaft abzuleiten geht in dem Fall schlecht, denn dann müsste ich mich ja "Japaner" nennen. Und das bin ich dann doch nicht.

Nachtrag

Ich habe ein paar Kommentare bekommen, die mich umdenken lassen.

Als erstes muss ich nochmal über Fußballfans schreiben. Mehrere meiner Kollegen sind aktive Fans und ein paar spielen selbst Fußball. Dem Klischee-Fan entsprechen sie nicht. Extra für euch also: Fans wie euch darf es ruhig mehr geben :-)

Dann gab's zwei Kommentare "Japan-Liebhaber" und "japanophil", die mir beide gut gefallen haben.

Schließlich hat mich ein Kommentar mit Definitionen dazu gebracht den Begriff Fan auch für mich gelten zu lassen.

"begeisterter Anhänger, begeisterte Anhängerin von jemandem, etwas" - Duden

Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert. - Wikipedia

Eine Leidenschaft für das Land und damit eine emotionale Beziehung habe ich. Zeit und Geld investiere ich auch. Also bin ich wohl ein Stück weit ein Fan.