Umstieg auf Conversations

Deutsche Version

Ich verlasse WhatsApp, da es rechtlich äußerst bedenklich ist und nun auch noch überwacht werden soll. Was bedeutet das genau?

Wir können etwas dagegen tun! Ich bitte deshalb meine Freunde und Verwandten über Conversations (auf Android), ChatSecure (auf iOS) oder Gajim (auf dem Desktop) mit mir zu chatten. Dabei holt man sich eine Jabber-Kennung die wie eine Mail-Adresse aussieht und nicht an die Telefonnummer gebunden ist.

Zur Not geht auch der Chat-Client Signal. Der ist aber an eine Telefonnummer gebunden und ich befürchte, dass früher oder später eine Hintertür durch eine Behörde in den USA in den Client eingebaut wird.

So kommt man an Conversations

English Version

I'm leaving WhatsApp, as it is legally difficult in Germany and now prone to being spied at by the state as well. What does this mean?

We can all do something! I ask all my friends and family to contact me via Conversations (on Android), ChatSecure (on iOS) or Gajim (desktop) in the future. You'll get a jabber-account which looks like an e-mail address and it is not tied to your device.

As a second best choice you can use the chat client Signal (PlayStore on Android, Appstore on iOS). It's tied to a mobile's number. I fear that, sooner or later, agencies in the US are going to have a backdoor installed in it, though.

Here is how to get Conversations

Sicheres Chatten (mal wieder)

tl;dr: Es gibt keinen Grund mehr seine Chats nicht mehr zu verschlüsseln. Sicher chatten ist mittlerweile möglich ohne auf ein Betriebssystem oder Gerät festgelegt zu sein. Ich empfehle Conversations für Android, ChatSecure für iOS, Gajim für Windows/Mac/Linux.

Letztes Jahr habe ich darüber geschrieben, dass viele Chatanwendungen nicht sicher sind und Nachrichtendienste gern in unserer Privatsphäre schnüffeln. Ich habe zuletzt Signal empfohlen.

Nun bin ich neulich über einen sehr interessanten Artikel gestolpert, auf den ich aufmerksam machen möchte. Marcel Ackermann hat eine ganze Reihe von Chatprogrammen und ihre Protokolle »ausgewertet mit denen verschlüsselt kommuniziert werden kann. Er hat dabei eine Reihe von Kriterien angelegt, unter anderem ob eine Anwendung Open Source ist, sie Gruppenchat unterstützt und auf mehreren Geräten funktioniert.

Ich möchte einen besonderen Punkt herausheben: Ist die Anwendung dezentral? Heute werden viele Chatprogramme als geschlossene Apps herausgegeben. Bei dem sehr verbreiteten WhatsApp muss jeder, der darüber kommunizieren will auch diese Anwendung installieren. Warum eigentlich? Bei E-Mail ist uns egal welches Betriebssystem und Mailprogramm die andere Seite hat. Ich muss heute gleich mehrere Anwendungen installieren, weil manche nur auf Skype, andere nur auf WhatsApp und wieder andere nur auf Signal unterwegs sein wollen und jede dieser Anwendungen zentralisiert und abgeschlossen funktioniert. Das ist toll für's Geschäftsmodell aber schlecht für mich als Anwender.

Marcel Ackermann empfiehlt XMPP und Omemo zur Verschlüsselung. Durch XMPP als offenes Protokoll können Clients auf vielen Geräten implementiert werden. Mir gefällt besonders gut, dass eine E-Mail-ähnliche Adresse genutzt wird, d. h. ich muss nicht jedem meine Mobiltelefonnummer verraten und kann bei einem Wechsel leicht alle Kontakte mitnehmen.

XMPP-Clients gibt es schon einige. Mit Conversations gibt es einen guten Client für Android, ChatSecure hilft auf iOS und Gajim für alle größeren Plattformen. Pidgin unterstützt derzeit anscheinend Omemo noch nicht, wäre ansonsten aber ein weiterer vielversprechender Client.

Ein wenig überraschend war für mich, dass »Telegram größere Probleme bei der Verschlüsselung aufweist. Einige meiner Freunde haben mir Telegram immer wieder empfohlen, allerdings anscheinend mit wenig Recherche (der Artikel ist von 2013). Man muss leider immer Ball bleiben um den Angreifern einen Schritt voraus zu bleiben.

Buchrezension - Inhouse Consulting

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit beruflich das Buch "Inhouse Consulting – Hat die Industrie die besseren Berater?" von Gerhard Hastreiter, Frank Höselbarth und Horst J. Kayser beruflich zu rezensieren.

Immer mehr Unternehmen etablieren bei sich ein Inhouse Consulting. Dieser Trend der letzten Jahre hat sich als neue Kraft am Beratungsmarkt etabliert. Bis dahin ließ sich die Branche in drei Kategorien unterteilen: Managementberatung, die Advisory-Sparten der großen Wirtschaftsprüfer und Spezialberatungen.

Inhouse Consulting bezeichnet dem Namen nach die Beratung innerhalb des eigenen Unternehmens, ist in der Praxis allerdings nicht auf einen Einsatz rein im Mutterkonzern fixiert. Die eigene Expertise in einem Gebiet wird Gewinn- und Nutzenbringend zugleich nach extern verkauft, d. h. es handelt sich um eine komplementäre Art der Beratung. Als Besonderheiten zählen dabei, dass in der Regel interne Aufträge vorrangig bedient werden und der Nutzen als Karrieremodell. So wie es bei vielen Unternehmensberatungen Usus ist, dass Berater in Unternehmen von Kunden wechseln und dort meist Führungsaufgaben übernehmen, dient die Inhouse-Beratung oft zugleich als Kaderschmiede für Spezialisten und Nachwuchsführungskräfte.

Im Buch werden auch neue Formen der Kooperation zwischen internen und externen Unternehmensberatungen durch eine Reihe von Beispielen beschrieben. So auch Lumics, eine Tochter von McKinsey und Lufthansa Technik, die als Spezialist für Produktions- und Wartungsprozesse mit dem Wissen aus der Luftfahrtindustrie und der Methodik aus der Beratung Firmen anderer Branchen bei der Optimierung ihrer Prozesse unterstützt. Dabei liegt der Fokus auf Sicherheit und Stabilität der Prozesse – beides essentiell in der Luftfahrt. Zielbranchen sind unter anderem Automotive und Energieversorger.

Der Titel „Inhouse Consulting – Hat die Industrie die besseren Berater?“ greift eine eindeutige Frage auf und versucht diese auch, anhand vieler Beispiele, in dem Buch zu beantworten. Wer hat aber nun die besseren Berater? Die Lösung ist: Keiner von beiden. Es sind im Wesentlichen die gleichen Berater, d. h. ihre Methodik ist identisch. Sie besitzen allerdings unterschiedliche Sichtweisen auf die ihnen gestellten Probleme. Die externen Berater bringen den Blick von außen mit, die internen Berater im Gegenzug tiefe Einblicke aus dem eigenen Unternehmen.

Wer sich einen Einblick in die Methodik erhofft sollte zu einem anderen Buch greifen, da dies nicht der Fokus der Autoren ist. Der Schreibstil schwankt zwischen den verschiedenen Kapiteln etwas, da außer den drei oben genannten Autoren noch die Arbeit einer Reihe weiterer Autoren mit kürzeren, teils sehr interessanten Beiträgen in das Buch eingeflossen sind. Wer sich aber mit dem Beratungsmarkt und seiner jüngeren Entwicklung ein Bild für die Zukunft verschaffen will, erhält viele spannende Einblicke, da die Autoren das Feld mit entwickelt haben.